endsieg.info - Suedamerikas Suche nach politischer Repraesentation
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Suedamerikas Suche nach politischer Repraesentation +

Es scheint etwas vorzugehen in Südamerika. Die Berichterstattung zu den Wahlen der vergangenen Jahre belegt nicht nur ein gesteigertes Interesse Europas an dieser Region, die über Jahrzehnte hinweg eine recht unspektakuläre Existenz als "Terra Clausum" der USA gefristet hatte.

Südamerika emanzipiert sich von den USA, wenn schon nicht wirtschaftlich, so können doch im politischen Bereich deutliche Friktionen im Verhältnis des Kontinents zu seiner alten Schutzmacht ausgemacht werden. Es müssen nicht erst die USA-kritischen Reden des "Commandante" Chavez aus Venezuela herangezogen werden um zu ahnen, dass die Regierungen Südamerikas immer weniger auf die Vereinigten Staaten als Garant ihrer politischen und wirtschaftlichen Stabilität setzen.

Kritik am großen nördlichen Nachbarn scheint anzukommen, nicht nur die Revoluzzer vom Schlage eines Hugo Chavez oder eines Evo Morales verdanken ihre Positionen zu einem großen Teil der strikten politischen Abgrenzung zu den Vereinigten Staaten und ihres Wirtschaftssystems. Auch Ignatio Lula da Silva aus Brasilien, Michelle Bachelet aus Chile und Nestor Kirchner aus Argentinien, die man nach europäischen Maßstäben als moderate Sozialdemokraten bezeichnen könnte, achten darauf, ihre Wählerschaft nicht durch eine allzu herzliche Beziehung zu den USA zu verwirren.

Man macht auch weiterhin gute Geschäfte mit den Vereinigten Staaten, hält jedoch auf der Weltbühne Ausschau nach neuen Partnern die als Gegengewicht zum, in der Vergangenheit sehr interventionsfreudigen, großen Bruder im Norden agieren sollen. Vergleicht man den langsamen Tod der FTAA mit der Energie die in den südamerikanischen Hauptstädten für die Entwicklung neuer, rein südamerikanischer Organisationen verwand wird, offenbart sich wie sehr die USA an Einfluss verloren haben. Gründe hierfür liegen sowohl in der historischen Wahrnehmung der USA auf dem Kontinent, als auch aus ihrer momentanen geopolitischen Schwäche.

Die Vereinigten Staaten waren während des Kalten Krieges nie verlegen um politische Interventionen auf ihrem "Hinterhof" Südamerika. Brutale Militärregime wurden protegiert und geduldet solange sie nur nicht den Status quo in Frage stellten. War dies nicht genug das Ansehen der Vereinigten Staaten beim gemeinen Volk zu ruinieren, so gab das Verhalten US-amerikanischer Konzerne| sowie der internationalen Wirtschaftsorganisationen von Weltbank bis WTO diesem vollends den Rest. Es brauchte nur noch die richtigen Politiker die der angestauten Aversion eine politische Stimme und Vertretung gaben, um die US-amerikanische Vorherrschaft auf dem Kontinent ins Wanken zu bringen.

Waren in den Jahren der US-amerikanischen Hegemonie auf dem Kontinent die Träume eines Simon Bolivar noch unter einer dicken Schicht aus elitärer Korruption und Selbstbereicherung verdeckt, merken die südamerikanischen Führer des Jahres 2006, dass man mit der rhetorischen Befürwortung der südamerikanischen Einheit Stimmung machen kann. Genährt wird diese Bewegung aus dem Wunsch einer einheitlichen, politischen Repräsentation Südamerikas, die als Gegengewicht zu den USA auftreten kann und jedem neuerlichen Versuch einer Einmischung kraftvoll entgegentreten kann. Soviel zur Theorie, die Praxis freilich sieht anders aus. Es wurden auf einer Vielzahl von Kongressen große Worte gesprochen.

Der gepflegte bolivarianische Gedanke dient oftmals als Schaubühne, während man hintenrum versucht jeder echten Kooperation innerhalb Südamerikas aus dem Wege zu gehen. Es herrscht eine bittere Konkurrenz unter den Staaten des Kontinents, sei es die Angst vor einer amerikanischen oder brasilianischen Hegemonie oder sei es die Angst vor der populistischen Suggestionskraft eines Hugo Chavez,denn man traut sich nicht wirklich, auch wenn man akzeptiert in ein und dem selben Boot zu sitzen. Beispiel hierfür ist die institutionelle Machtlosigkeit der neuen südamerkanischen Organisationen wie Andenpakt, Mercosur und der südamerikanischen Staatengemeinschaft. Jedoch hat Südamerika nicht viel Zeit seine gemeinsamen Institutionen zu stärken.

Die geopolitische Ordnung der Welt beginnt sich zu verschieben. China und Europa haben beide Interessen in Südamerika und die derzeitige Schwäche der Vereinigten Staaten ist mehr auf die Person des derzeitigen Präsidenten zurückzuführen, als auf strukturelle Gründe. Zur Zeit leiden viele Nationen Südamerikas noch immer an den Folgen der großen Wirtschafts- und Währungskrisen der späten 90er Jahre. Noch sind sie aufeinander angewiesen und brauchen die südamerikanische Kooperation, noch sind Staaten wie Argentinien nicht in der Lage einem Brasilien politisch Paroli zu bieten und ihre eigenen Interessen kraftvoll zu formulieren. Noch ist die Chance für eine "Südamerikanische Union" gegeben.

Die größten Gefahren für eine stärkere Kooperation der südamerikanischen Staaten liegen in den Eigeninteressen der beteiligten Staaten und ihrer derzeitigen und zukünftigen Proteges, sowie in der Unaufrichtigkeit der "Bolivarianer" selbst. Politiker wie Chavez, Morales und Lopez Obrador hegen keinerlei Sympathien für vereinende Institutionen, schon gar nicht für solche die ihren eigenen Machtansprüchen im Wege stehen könnten. Auf der einen Seite reden sie der südamerikanischen Einheit das Wort, auf der anderen Seite polarisieren und spalten sie ihre jeweiligen Gesellschaften.

Es gibt nur ein für oder ein gegen sie, womit sie ironischerweise die Politik ihres Washingtoner Lieblingsfeindes imitieren. Wenn diese bolivarianische Revolution nicht einmal in der Lage ist innenpolitische Kompromisse einzugehen, wie soll sie dann erst auf einer bilateralen Ebene kompromissbereit sein?



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