Wenn es in unserer Zeit ein verkanntes Medium gibt, dann handelt es sich zweifelsfrei um die Wikipedia. Natürlich ist es nicht fair die Wikipedia alleine als die Errungenschaft unserer Genration darzustellen, dafür ist ihre Entstehung einfach durch die historische Entwicklung und die technologischen Vorraussetzungen zu sehr bedingt. Auch waren dafür zu viele "alte Hasen" an der Entwicklung und Federführung beteiligt.
Was man aber durchaus annehmen kann ist, dass das umfassende Verständnis, für diese Errungenschaft unserer Kultur, in der jüngeren Generation weiter verbreitet ist, als noch in unserer Elterngeneration. Diese Verhältnismäßigkeit ist natürlich und keineswegs negativ einzustufen. Allerdings zeigt es auch wie notwendig ein öffentlicher, fairer, Diskurs über dieses Medium und seine Konsequenzen ist. Dieser Diskurs scheint in erster Linie ein Generationsstreit zu sein. Nicht einmal über die allgemeine Akzeptanz, sondern über die weltsoziologischen Verschiebungen, die zwangsäufig aus dem, nunmehr fleischgewordenen, Konzept des kollektiven Gedächtnis erwachsen.
Zum einen sei hier die Open-Source-Bewegung genannt, welche als geistiger Brandstifter für viele Ausprägungen des "neuen Zeitgeistes" gesehen werden kann. Hierbei darf man nicht den Fehler machen und die Open-Source-Bewegung als geschlossenes Ganzes sehen. Denn diese wiederrum besteht nämlich aus vielen kleinen Interssensgemeinschaften, welche im weitesten Sinne eben auch die Wikimedia-Bewegung beinhaltet. Genauso ist die Offene-Gesellschaftsbewegung, inkorporiert durch ihre ersten Propheten: die FreeNationFoundation oder ostate, als Teil dieser Entwicklung einzustufen.
Das Kernelement ist die Freiheit der Informationen und die Kooperation im Kollektiv. Natürlich gibt es auch innerhalb dieser Gesellschaft immer wieder Streitigkeiten und weiterführende Diskurse. Jedoch ist das Maß an Einheit und ideologiefreier Kooperation innerhalb des Kollekives historisch unübertroffen.
Diese Entwicklung ist keineswegs ein Zufall und wurde bereits in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts, bis in die siebziger Jahre hinein, von Philosophen und Systemtheoretikern prohezeit. Und langsam kommt Bewegung in die Sache. Die Ausseinandersetzung der freien Mediengemeinde mit den kommerziell indoktrinierten Medien hat in den letzten Jahren zu einer neuen Art der Systemkritik geführt die aus sich heraus nun eine neue Staatsphilosphie gebärt. Die von Popper und anderen geforderte und propagierte offene Gesellschaft entwickelt sich ganz von alleine und braucht keine großen Denker mehr. Die ungezügelte Kommunikation hat ein Kollektiv geschaffen, welches den fließenden Übergang zwischen verschiedenen Interessengruppen, system- und gesellschaftsbedingt inherent, manifestiert.
Das Ergebnis ist wiederrum der "neue Zeitgeist". Und er könnte nicht weiter weg von dem aktuell bestehendenden Gesellschaftsansätzen sein. Genannt seien hier Konzepte wie geistiges Eigentum, welches sich klar von der Urheberschaft unterscheidet, sowie das alte Bildungssystem, welches auf der Annahme basiert die zukünftigen intellektuellen Anforderungen in irgend einer Form einschätzen zu können.
Warum sich mit der Urheberschaft beschäftigen? Weil ein Großteil der Probleme mit der die Wikimedia-Bewegung auf genau der Auseinandersetzung mit diesem Problem basieren. Die häufig angeprangerte Qualität diverser Artikel ist klar auf die Ignoranz, und eben auf die Berufung auf geistiges Eigentum der wissenschaftlichen Gemeinde, zurückzuführen.
Hier kann man einen klaren Vorsprung der Naturwissenschaftler erkennen, welche weitestgehend besser vertreten sind und qualitativ hochwertigere Beiträge liefern. Hier möchte ich natürlich keinem derjenigen auf die Füße treten, der sich bereits aktiv an der Gemeinde beteiligt. Ich selber liefere recht wenig Informationen, versuche jedoch wo ich kann die Qualität zu sichern und unser geistiges Erbe für die nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen. Denn diese werden keine Bücher mehr lesen. Zumindest das Konzept des auf Papier gedrucken Buches bestenfalls aus der Wikipedia kennen.
Zu geistigem Eigentum und der Urheberschaft möchte ich folgendes zu Bedenken geben: Das Eigentum kann schon alleine deshalb nicht dauerhaft gehalten werden, weil der Urheber, folgerichtig auch das geistige Eigentum seiner Vordenker anerkennen und bezahlen müsste. Ich denke kein Biologe möchte die Ergebnisse seiner Forschung und das damit verdiente Geld, zu dem Teil an jene abführen, die ihn gelehrt haben oder deren Forschungsergebnisse ihm geholfen haben. Dies könnte man bis zum Erfinder des Feuersteins durchspielen. Die Urheberschaft gestaltet sich hier schon schwieriger, da sie, zum Beispiel in Deutschland, nicht abgestritten werden darf.
Das geistige Eigentum wird mit dem Aussterben unserer Elterngeneration warscheinlich fallen. Die Urheberschaft höchstens als historisches Attribut mit der Information verbunden sein.