Ich stand eines Nachmittages um drei auf und trank Kaffee. Um halb sieben war dann entschieden dass ich des Abends zu einer Festitvität in der nähe fahren würde. Um neun traf ich mich hierzu mit ein paar meiner geschätzten Zeitgenossen und nach ein paar Bier bestiegen wir dann den Bus der uns dorthin bringen sollte. Nach einer eher abenteuerlichen Wanderung quer durch einen Güterbahnhof kamen wir irgendwann auch tatsächlich an unserem Bestimmungsort an.
Bereits erloschene Teelichter hätten den Weg durch das Treppenhaus beleuchtet wenn sie nicht bereits erloschen gewesen wären. Es folgte ein mit ein paar Regalen und zwei oder drei Kunstwerken ausgestatteter Flur an dessen Ende sich eine offene Tür befand. Auf der anderen Seite der Tür befand sich eine mit Menschen verschiedenster(naja eigentlich genau der gleichen) Coleur befüllte Wohnung: Offensichtlich Kunststudenten, die sich voll in ihren elitären Kunstdiskussionen ergingen. Nachdem wir die uns um ein paar Ecken bekannte Gastgeberin begrüßt hatten suchten wir uns ein schönes Plätzchen (um genau zu sein setzten wir uns vor die eben erwähnte Tür, was zumindest für jeweils einen den Vorteil hatte, in dem Stilvoll in der Ecke, unter einem Kunstwerk platzierten Sessel sitzen zu können) und planten das weitere Vorgehen.
Wir öffneten ein weiteres Bier - ich hatte davon in weiser Vorraussicht ein paar mitgebracht - und ließen uns vom Bunten Treiben des rauschenden Festes berieseln. Wenn man aus dem Fenster blickte, konnte man ein von einem hochmodernen Beamer an die benachbarte Hauswand geworfenes Video betrachten, was offensichtlich gleichfalls ein Kunstwerk war. Irgendwann wies uns dann jemand darauf hin, dass sich draußen noch viele Leute und ein Feuer befänden. Wir beschlossen da irgendwann mal hinzugehen. Zuerst wurden jedoch Rufe nach Würsten laut. Da es auf diesem Feste leider keine Würste gab, beschlossen ein paar von uns sogleich zur nächsten Metzgerei zu fahren um welche zu kaufen - sie sollten niemals zurückkehren(und mit 'niemals' meine ich natürlich 'drei stunden später' oder so).
Wurst- und Lustlos wurden ein paar Runden Karten - und zwar das fabulöse Spiel 'Arschloch' - gespielt. Nachdem sich auch das als nicht sehr ergiebig herausgestellt hatte, gingen wir schließlich doch nach draußen. Um in den Garten zu gelangen mussten wir unter dem Künstlerischen Video entlanggehen.
Die Feuerstelle selbst war ein im Boden eingelassenes Loch von vielleicht drei Metern in dessen Mitte ein Feuer vor sich hin brannte und an dessen Rand ca. 10 Leute saßen die wahrscheinlich(ich hab nicht hingehört) über Kunst sprachen. Hinter dem Feuer war eine Wand auf der, von einem Scheinwerfer beleuchtet, das Bild irgendeiner grotesken Scheußlichkeit prangte. Die Szene besaß irgendwie eine Gruseligkeit Lovecraft'schen ausmaßes. Es hätte nur noch gefehlt, dass die Künstler ums Feuer getanzt wären und ein in weißes Tuch gekleideter Hohepriester, dem auf einen Altar gefesselten Opfer (vorzugsweise eine Jungfrau von bezaubernder Schönheit) das Herz herausgerissen hätte.
Nach dieser eher verstörenden Erfahrung betraten wir wieder das Haus wo sich so viel nicht geändert hatte (im Ernst: es hatte sich nichts geändert (über alles was sich geändert hatte, wird ob dessen geringfügigkeit hinweggesehen.)): Die Künstler standen immer noch in der Gegend herum und sprachen über Sachen die wir niemals verstehen werden.
Schon bevor die Wurstkaufeinheit zurück kam war beschlossen, dass deren Rückkehr unser aller Abhauen einleiten sollte. Gesagt getan. Nach ein paar komplikationen waren wir dann wieder in zuhaus, aßen noch ein paar von den neu erworbenen Würsten und schliefen wenige minuten später schon tief und fest. Mir träumte von einem Ritual im Garten in dessen Rahmen einer Jungfrau von bezaubernder Schönheit durch einen, in weißes Tuch gekleideten Hohepriester, das Herz herausgerissen wurde während etwa ein dutzend Gestalten in den verschiedensten Farben um das Feuer tanzten.
Wie man sieht, ein künstlerischer Tag.