endsieg.info - Im Zeichen der Nacht
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Im Zeichen der Nacht +

Ich sah hinauf in den dunklen Nachthimmel über mir. Leicht nach vorne gebeugt, über das rostige Geländer.Ich konnte spüren, wie meine Hände taub wurden, von der Kälte des Metalls, dass sie seit Minuten umklammerten. Langsam kroch die Kälte meine Handgelenke hinauf, schlüpfte in die ärmel meines Pullis und bahnte sich zögernd, doch hinterhältig ihren Weg durch meinen Körper.

Ich kniff die Augen zusammen, verzweifelt versucht auch nur einen einzigen Stern zu erblicken.Doch der Himmel blieb schwarz. Schwarz wie ein Samttuch, dessen Schwere allmählich im Begriff war die Stadt unter mir zu zerdrücken als wäre sie nur ein Spielzeug der Welt.

Ich legte meinen Kopf in den Nacken, versucht die Muskeln zu entspannen- doch die Kälte hatte jene schon längst erreicht.

Vorsichtig löste ich meine verkrampften Finger vom Metall des Geländers und versuchte sie zu wärmen, indem ich sie gegeneinander rieb. Ich erschauderte vom Schmerz, den die Kälte durch meine steif gefrorenen Finger trieb.

Ein Lichtblitz zuckte hinter meine Augen und verursachte ein dumpfes Pochen in meinen Schläfen.

Seufzend schloss ich meinen Mantel enger um meinen Körper, trat unruhig von einem Bein auf das andere und ignorierte das Kribbeln in meinen Fußsohlen.

Tief sog ich die klirrend kühle Nachtluft in mich auf, spürte wie sie prickelnd in meine Lunge floss.

Doch der Druck, der sich über meinen ganzen Körper ausgebreitet hatte wollte sich nicht vertreiben lassen und auch wenn die Kälte meinen Körper lähmte, meine Seele schien dagegen resistent zu sein.

Ich merkte wie ich schneller atmete. Schwerer. Verzweifelter.

Doch der Druck blieb, nahm mir die Luft zum Atmen, obwohl ich sie in großen Zügen in mich aufsog.

Immer mehr Funken blitzten irgendwo hinter meinen Augen, das Pochen wurde zu einem Dröhnen, das sich mit dem Lärm der Straßen vermischte. Stimmenfetzen huschten durch meinen Kopf. Ich hörte ein Rauschen und Rattern, wie von einem vorbeifahrenden Zug, doch wusste ich, dass es weit und breit keine Gleise gab.

Langsam verbreitete sich Panik.

Zunächst nur eine Idee, wurde sie innerhalb von Sekunden zu bitterer Realität, nahm Besitz von meinen Gedanken, meinen Sinnen und schließlich von meinem Körper, der sich bemühte sie in unkontrollierten Zuckungen zum Ausdruck zu bringen.

Ein leises Summen drang aus meiner Kehle, wurde zu einem Wimmern und schließlich zu einem Schrei des Entsetzens. Es klang surreal, als ob das Geräusch von weiter Ferne zu mir dringen würde. Ein Lied, dessen Hall der Wind verzerrt hatte und nun die Fetzen der Melodie über das Land verteilte.

Meine Gedanken schienen sich zu spalten. Da war dieses Gefühl und der Trieb ihm zu entkommen- die Panik und die Kälte, die mein ganzes Sein bestimmte.

Und dann war da noch etwas.

Eine Stimme.

Meine Stimme, die in Gedanken zu mir sprach, wie ein Freund der mich hält und beschützt. Er beobachtete mich, fragte mich was ich hier tue und was mit mir los ist, sagte mir mit einem traurigen Lächeln, dass es keinen Grund gibt.

Und doch, den gab es. Mit einem Paukenschlag steigerte sich der Druck, donnerte durch meinen Körper. Als ob eine fremde Macht von mir Besitz ergriffen hätte taumelte ich erneut nach vorne, aus das Geländer zu, krampfte meine Fäuste darum und beugte mich weit nach vorne. Ein Teil von mir nahm den Druck meiner Knöchel wahr, die sich in dieser Position schmerzhaft in meinen Magen bohrten. Ich blickte hinunter, sah die verlassene Straße unter mir und das Flackern der Straßenlaternen.

Lichtschlieren vor meinen Augen.

Ich ließ mich weiter hinab sinken, wie ein Kind, dass im Begriff ist eine Rolle an einer Turnstange auszuüben.

Ich bemerkte, wie der Griff meiner Hände sich lockerte. Der Freund wollte dagegen halten, befahl mir die Fäuste wieder zu schließen, doch meine tauben Hände reagierten nicht, ebenso wenig wie meine taubgewordene Seele.

Wie in Zeitlupe kippte ich nach vorne, schien kurzzeitig in der Luft stehen zu bleiben. Dann lösten sich meine Hände vollständig und ich spürte noch, wie meine Fingerspitzen über das eiskalte Metall glitten.

Im Fallen hörte ich wieder die Stimme: "Warum? Es ist doch alles in Ordnung..."



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