endsieg.info - letztes Kapitel
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Die Party war in vollem Gange. Viele Leute. Paare, Singles. Sie mischte sich unter die Menge. Bekannt waren ihr alle, aber sie hatte keine Lust sich mit ihnen zu unterhalten. Sie setzte sich auf einen Barhocker. Es sah sie keiner. Hoffentlich, dachte sie.

Sie erblickte einen Bekannten. Ein schöner Mensch. Er hatte stets einen freundlichen Ausdruck auf den Lippen. Freundlich zu jeder Tageszeit. Zu jedem. Er hatte ein kaum vorhandenes Selbstbewußtsein. Während seine Schwestern wesentlich älter waren und bereits in seinem Alter vor einer großen Karriere standen, quälte er sich mit Zukunftsangst. Er war das Nesthäkchen gewesen. So wurde er von seiner Mama heute noch behandelt, wie ein kleiner Junge. Zusätzlich schien er der Versager zu sein, trotz seines blendenden Äußeren. Die Mädchen lagen ihm zu Füßen, ausnahmslos. Aber sie langweilten ihn. Das taten sie wirklich. Eigentlich wünschte er sich ein Mädchen, was er verehren konnte. Dieses Mädchen gab es. Und obwohl er eigentlich voller Angst war, verließ er sich auf seine Schauspielkunst und wirkte arroganter denn je. Schließlich war er es, und nicht irgendwer. Sie sah wie das Nesthäkchen auf ein Mädchen zuging. Das war nicht seine Kategorie. Es war schön, aber eigentlich nicht sein Typ. Trotzdem war es ihm schon verfallen gewesen. Es lächelte. Er grinste. Sie liebten sich, aber er hatte Angst vor ihr. Es war es, das er verehrte, aber genau das machte ihn wahnsinnig. Und schon war er wieder davongelaufen und ließ das Mädchen stehen.


Enttäuschung. Es hatte Angst vor Nähe. Die Gedanken der Ablehnung tauchten immer wieder auf. Das Aussehen, der Charakter, die Freunde, der Status. Es hatte wundervolle Eltern, aber kein Selbstvertrauen. Zweifel, Angst, Zweifel, Angst. Das Mädchen sah sichtlich überfordert aus. Es schien als sei es sich ihrer zwar bewußt, könne aber den Haß gegenüber sich selbst weder beenden noch überwinden. Es riß sich aus seinem Gedankenfluß und widmete sich der Gruppe.


Der Neid schien dem, eigentlich, schönen, jungen Mädchen aus den Augen. Schlanker, hübscher, klüger. Die zarten Augen begannen ihren blauen Farbton in einen seltsamen gelben zu wechseln. Unheimlich. Sie dachte nur noch daran, dass es dringend Hilfe brauchte. Entsetzten.


Schließlich schwenkte auch ihr Blick weg von den Mädchen zu der Gruppe. Sie erblickte eine besondere Freundin. Sie flirtete. Wie immer. Sie liebte das Wort „ich“. Sie hatte einen wahnsinnigen Vater. Er schlug ihre Mutter. Ihr Ex-Freund saß ihr gegenüber. Sie provozierte ihn. Absicht?! Sie wußte es nicht. Dieser besagte Ex-Freund mochte sie nicht. Zumindest nicht als Mensch. Ihren Körper schon. Während ihre Freundin flirtete um nicht vorhandene Gefühle bei ihrem Ex-Freund zu erzeugen saß dieser neben seinem besten Freund. Sexy. Ohne Zweifel. Auch er litt unter dem Druck seines Bruders. Besser. Immer. Sein Spezialgebiet lag bei 15. Wieso reduzierten sie sich immer selber?

Degradierten sich vor den Frauen, die sie im Prinzip wollten, aus Angst, zumindest vermutete sie dies. Und diese 15jährigen Mädchen, was erwarteten sie von ihnen? Hohe Gewinnchance. Keine tiefgründigen Diskussionen. Spaß. Treue war nicht wichtig. Der sexy Freund vergnügte sich gerne und oft. Diesmal mit einer Pseudo- Barbie. Hübsch. Das konnte man nicht abstreiten. Leider gehörte sie wohl zu dieser Art Mädchen, bei denen sie befürchtete, dass sie 5000 Jahre versuchte Emanzipation mit einer Aussage zunichte machen könnte. Zum Kotzen.15 war sie, was noch Hoffnung gab, und dumm leider auch. Dafür um so fülliger um die Hüften, was ihrem schönen Gesicht allerdings keinen Abbruch tat. Ihre Zahnspange blitzte mit ihrem Lippenstift um die Wette. Armes Kind. Da Biatsch stand auf dem zu engen T-shirt. Die fehlende Anerkennung durch stundenlanges Aufreizen kompensieren. Trotzdem im Schatten stehen. Das Überbild war älter. Nicht viel. Auch nicht hübscher. Aber da.

Dennoch merkte ein jeder, dass das Überbild als Steigbügel fungierte und plötzlich bekam man Angst. Angst vor dem was kommen mußte. Angst vor der völligen Negierung kluger und scharfsinniger Frauen.


Ihr Blick durchstreifte den Saal. Lauter orientierungslose Irre. Er liebte sie. Sie einen anderen. Der wiederum erwiderte ihre Liebe nicht. Chaos. Keine Lust sich mit diesem Haufen zu beschäftigen. Außerhalb dieser konsumorientierten Leistungsgesellschaft starben täglich Tausende. Sie mussten über diesen Gedanken schmunzeln. War sie nicht selbst ein Glied in der Kette? War sie nicht selbst Verehrer und Gegner? Sie trug Schuhe von Isda, in Indonesien gefertigt, eben von diesen die nichts hatten.

Sie fühlte sich furchtbar pseudo- intellektuell und begann über ihre eigene Weltverbesserungsambitionen zu lachen. Diese, deren Hände ihre Schuhe fertigten, hatten nichts. Oder kaum etwas. Trotzdem konsumierte sie mit zögerlicher Reue, aß bei McDoof und trennte den Müll nicht. Manchmal tat sie das unter einer Art Weltschmerz, aber meistens ignorierte sie es gekonnt. War sie nicht wenigstens so fair gegenüber denen die nichts hatten, als dass sie sich wenigstens über ihr Leid bewußt war?

Sie wußte was es heißt kostenlose Bildung zu erfahren, mit dem Bewußtsein aufzuwachsen, dass alles lediglich von der eigenen Entschlossenheit abhing und das sauberes Wasser aus dem Hahn kam. Manche dachten immerhin, dass Wasser nur aus dem Wasserhahn kommen kann. Da war sie wesentlich realistischer. Leider. Auch das zum Kotzen.

Denn wofür nutze sie es? Kämpfte sie? Nein, natürlich nicht.

Die Stimmung wuchs aufdringlich und ihr Blick erfasste eine persönliche Persönlichkeit.  Rechts? Links? Die Frage danach blockierte ihre Gedanken. Der Beobachtung widmen. Klein. Blond. Faul. Was trieb sie an? Der unerschütterliche Glaube für den Egoismus. Müßte dahinter ein Fragezeichen gesetzt werden? Dafür. Manchmal hatte sie liebliche Lichtblicke. Außerhalb der Hinterfragung der eigenen Person, versteht sich. Konsumieren und Wegwerfen ohne Reue. Sei Reue der erste Schritt zur Besserung? Zur Änderung? Oder sei sie heuchlerisch und beruhige nur das Gewissen, was eine soziale Natur mit der Zeit zu plagen drohe? Sie kannte diesen Vorgang zu gut. Schuhe. Kosmetik. HABEN.


Auch sie ergötze sich an teuren, ja vielleicht einfach nur teuren, Artikeln, für dessen Erwerb sie arbeiten zu gehen drohte. Zum Kotzen? Sie wußte es nicht. Sie hatte Spaß am sogenannten Shoppen, am hemmungslosen Konsumieren und an der Tatsache soviel essen zu können bis einem schlecht wird.

Jetzt hatte sie ein schlechtes Gewissen. Verdammt. Waren ihr die kleinen Kinder in Äthiopien egal? Sie glaubte nicht. Aber was konnte sie für das Glück dieses Leben zu führen? Ausgesucht hat das entweder niemand oder Gott. Gott? Jetzt mußte sie geradezu losprusten.


Ihr Blick schweifte erneut durch den Saal und blieb an der Tür hängen. Neue Gäste. High Society. Der Gastgeber sprang auf und begrüßte die gerngesehenen Gäste. Sie waren übrigens äußert vertraut mit dem Nesthäkchen.

Mercedes. Prada. Golf. Tennis. Bereicherung. Die eigenen Vorstellungen haben zu funktionieren. Ebenso wie der Partner und die Familie.

Gesprächsfetzen über die neusten Trends aus Äthiopien? Nein Paris, natürlich. Welch' Narr sie doch war! Haartips und Lippenstift gehörten ebenso in das weite Feld des Unterhaltunghorizonts wie die neusten Tratschereien. Konzentration, da es spannend zu werden schien. Die Augen wurden verdreht, und aller Selbsthass auf ein Mädchen focusiert. Sympathisch. Normal, vielleicht!

Sie unterhielt sich mit einem jungen Mann. Die Funken sprühten. Sie freute sich, ganz im Gegensatz zu einer Gruppe, der sie sich nun wieder widmete.

Was wird wohl in 20 Jahren sein? Wird sie sie wiedertreffen? Zufällig, wenn überhaupt. In ihrem Kopf schwirrten Bilder. Golf. Edelhausfrau. Drogenabhängige Kinder. Letztendlich wird sie ersetzt. Vielleicht durch die Barbie. Sie ist 10 Jahre jünger. Zu alt. Ihr Gehör bemühte sich wieder um neue Informationen. Wunderbar. Melanie schlief also heimlich mit Peter. Der arme Tom. Es lebe der Klatsch. Wem sie es wohl zuerst unter die Nase reiben würde. Schadenfreude war zu befriedigend.


Da entdeckte sie einen neuen menschlichen Prototyp. Zuhälter? Playboy? Millionenbetrüger? Oder einfach nur unsicher? Mädchenschwarm. Keine Frage. Er stand in der Mitte einer weiblichen Zickenansammlung. 15-25. Zufrieden? Einsam? Sie mußte lächeln. Er sah aber auch wirklich gut aus.


Den Abend über hatte sie schon an einer Cola light genippt. Schluß damit. Sie konnte nicht gehen. Es war erst 9 Uhr und der Gastgeber hatte um 12 Geburtstag. 3 Stunden. Mindestens. Also betrinken. Sie trottete zur Bar und bestellte einen Wodka. Pur. Schnellster Weg.

Ihr Blick blieb diesmal an einem Jungen hängen dessen Statue leider der eines Flummis glich. Lächeln. Er war immer Partygast Nummer 1. Tiefstes Mitleid. Einsam. Ungeliebt. Tragisch. Leider fehlte die Einsicht. Selbst schuld! Er machte sich gerade über ein Mädchen lustig, die sich selbst für hochgeboren halten muss.

Wer tut das nicht? Selbstverleugnung. Schlampe. Dummheit? Durfte sie sich das anmaßen? JA! Und wieder bauten sich die amüsanten Zukunftsgedanken auf. Hochzeit mit 23. Kinder. Familie. Abhängig. Einsam. Erfolglos. Dumm.

Würde sie sie wohl bei einem nächsten Treffen in 30 Jahren bemitleiden? Oder bewundern? Würden sie immer so „in“ sein wie jetzt? Wird man „cool“ geboren? Oder gibt es „angesagte“ Gene? Sie mußte über ihre Gedankenspiele schmunzeln. Und noch mehr über die Tatsache, dass es sie gab, die in einem unermüdlichen Kampf für die Coolness sich selbst vergaßen. Bescheuert.

Die Tanzfläche war eröffnet. Oh, Gott. Vorspiel als Choreographie war Pflicht, der eigentliche Akt die Kür. Aufforderungen wurden höflich abgelehnt. Genau wie peinliches Antanzen. Haut ab! Die berechtigte Frage zielt auf die Intention.  Lächeln. Belächeln. Der Rock rutschte doch.....Zu spät. Schien außer ihr keiner bemerkt zu haben. Seltsam, da es doch völlig offensichtlich war.

Na gut, er hat sich wohl darüber gefreut. Ihr eroberter Platz an der Bar brachte einen Cocktail nach dem anderen. Pur. Die Musik wurde leiser. Prima. War sowieso seltsam. Irgendwo zwischen Pur und Wolle Petry hatte sie ihre Ohren abstellen wollen. Verdammt. Karnevalsmusik konnte die miese Auswahl des DJs tatsächlich noch toppen. Wahnsinn. Langsam. Leise. Langsamer. Leiser. Ihr Blick versuchte das Neue aufzunehmen und dem Gehirn zu überliefern. Falsch! Das Panorama wurde immer blasser



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