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Irgendwo im Nirgendwo der Steppe Kenias treffen sich alle 19 Jahre, wenn Jupiter im Aszendenten des Wassermannes steht, vier, von den Ureinwohnern gewählte, Vertreter der Savanne um eine interkontinentale Tagung abzuhalten. Dieses Mal war der Vertreter der Snobs eine Giraffe, für die Jäger erschien der mächtige Löwe, die breite Masse wurde repräsentiert von einem Elefanten und Vorsitz führte ein Gnu. Man hatte auch probiert ein Känguru aus Australien per Satellitenschaltung zu der Tagung einzuladen, jedoch scheiterte der Plan, weil ein stupider Ameisenbär versucht hatte sich an einer Steckdose zu verköstigen und dabei das ganze System lahm gelegt hat. Der plötzliche, jedoch nicht unerwartete, Tod des Ameisenbärs war auch der Grund, weshalb nach der allgemeinen Begrüßung eine Schweigeminute eingelegt wurde.

Es folgt das Protokoll der letzten Versammlung, das darüber aufklärt wie viele Tiere eine Löwenherde pro Monat reißen darf, welche Akazienbäume welchen Giraffen zu zu stehen haben und in welchen Teilen der Wälder die Termiten ihre Kolonien erbauen sollen (es gab da einen heiklen Zwischenfall, als ein von Termiten zerfressener Baum auf einen Elefanten stürzte, der, Gott sei Dank, unversehrt blieb, weil der Baum so durchlöchert war, dass er zu einer Million Zahnstochern verpuffte, als er auftraf. Leider trug der Elefant, wegen des Schocks, schwere seelische Schäden davon und deshalb musste eine Verordnung erlassen werden). Außerdem enthielt das Protokoll eine kurze Anmerkung einer Wüstenmaus, die bei der letzten Tagung den Vorsitz führte, über die rassistische Darstellung der Maus-Elefeanten Beziehung in Film und Fernsehen. Die Maus sagte, es gäbe keinerlei Konflikte zwischen den beiden Spezies und dass, falls einer der ihren das nächste mal in einem Film oder ähnlichem mitspielen würde, der fragwürdige Szenen enthielt, man sich doch bitte mit dem Produzenten kurzschließen und die Sache aus der Welt schaffen solle.

Nach all diesen Förmlichkeiten und Prozeduren kam das urige Viereck zum Hauptpunkt der diesjährlichen Versammlung, welcher eigentlich im Beisein des nicht beiseienden Kängurus besprochen werden sollte. Das Känguru, dessen Name Stulpi lautete, wollte ein ausgesprochen wichtiges Thema ins Gespräch der Tierwelt bringen. Ein Thema vor dem die meisten Tiere die Augen verschließen oder versuchen es zu verharmlosen.

Es geht um den gemeinen Touristen. Oft wird er als harmloser Spinner abgestempelt, aber eine neue Generation Touristen ist auf dem Vormarsch, der Erlebnistourist. Er will Geparden bei der Paarung anfeuern, einem Nashorn den Rücken kraulen und dann noch schnell ein Sprung in den Fluss machen um ein, zwei Alligatoren auf die Matte zu legen. Sogar die Touristensprösslinge eifern bereits ihren Indiana-Jones-Vätern nach und missbrauchen Klapperschlangen als Spielzeug.

Zum Glück konnte sich bisher jede Schlange selbst befreien, aber Stulpi, falls er anwesend wäre, würde in diesem Moment die Frage stellen, wie lange noch? Ratlosigkeit machte sich breit. Der Löwe ergriff das Wort, ungehindert vom Gnu, das bereits bei der Vorlesung des Protokolls eingeschlafen war, und schlug vor alle Touristen aufzufressen. Da Löwen die fixe Idee besitzen, man könne alle Probleme mit scharfen Zähnen lösen, sich quasi durchbeißen, wurde er vorerst ignoriert.

Jedenfalls könnte man das annehmen, hätte der Leser beobachten können, wie die Giraffe ihre Nase rümpfte. Weil aber Giraffen zu jeder Aussage, die nicht von ihnen stammt, die Nase rümpfen, blieb lediglich der Elefant übrig, der etwas Vernünftiges sagen konnte. Der schwieg erst mal. Der Löwe und die Giraffe befürchteten für einen Moment, er wäre, wie das Gnu, eingeschlafen, aber da riss der Elefant den Rüssel hoch und stieß ein gewaltiges Tröten aus. Schlagartig fiel das Gnu um.

Als es sich wieder aufgerappelt hatte verlangte es sofort eine Erklärung für diese Unterbrechung seiner Gedanken. Der Elefant entschuldigte, dass er den Vorsitzenden bei seinen Überlegungen gestört habe, jedoch habe er gerade einen sogenannten Geistesblitz gehabt. Verwirrt, aber trotzdem interessiert, wollte das Gnu mehr wissen. Spannungserfüllt blickte der Elefant auf die Beiden anderen, die zustimmend nickten.

Es folgte eine bühnenreife, zwei einhalb stündige Rede, untermalt von dramatischen Gesten mit dem Rüssel und mehreren Trötern, die den Vorsitzenden noch einige Male zu Boden gehen ließen, in welcher der Elefant vorschlug, dass man am besten alle Touristen aus dem Land aussperren soll, indem man ihre Flughäfen sabotiere.

Der Idee folgend, wurde nur drei Tage später eine gigantische Guerillaarmee, irgendwo im hohen Steppengraß Kenias mobilisiert und genau in diesem Moment durchlaufen dort Tausende Ameisenbären einen Kamikaze Crashkurs an ausgedienten Steckdosen, um den größten Schlag gegen die Flugtourismusbranche zu vollziehen, den die Geschichte je erlebt hat.



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